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2. Playa del Carmen: Mexiko ist anders als gedacht

Aktualisiert: 15. Feb. 2023


In der Abendsonne am Strand

Täglicher barfuß-Spaziergang am Strand

Die Anfahrt

Die kurze Busfahrt mit Kind in Cancun zum Strand hatte eigentlich gut geklappt. Dennoch machten wir uns schon Sorgen ob wir die eine Stunde Fahrt nach Playa del Carmen vielleicht stehend ums Gleichgewicht kämpfend im überhitzen Klapperbus verbringen müssen. Dem war nicht so. Die ADO-Busse sind Fernbusse, sehr modern und komfortabel.

Die Tickets kann man am Schalter oder in der App kaufen. Und wovon sich der deutsche ÖPNV was abschneiden darf: Die Fahrten sind billig UND pünktlich. Auch diese Aspekte bestärkten uns in der Entscheidung, jede Woche weiterzuziehen. In Cancun müssen wir zum Glück nur etwa 500m bis zu der ADO Bushaltestelle laufen. Es war ziemlich viel los, vor allem viele Touristen stehen dort Schlange. Alle wollen in die anderen Orte an der Riviera Maya ziehen, wie Puerto Morellos, Playa del Carmen, Tulum, Chetumal usw. Wir schaffen es aber doch recht schnell zu einem Schalter und kaufen uns die Tickets nach Playa del Carmen.



Suites MB klingt doch mal luxuriös

Bei der Ankunft in Playa del Carmen, laufen wir cirka einen Kilometer bis zum unserer Unterkunft. Wie schon erwähnt haben wir nur zwei kleine Rucksäcke und eine Sporttasche. Ich habe das Kind in der Trage und meinen Rucksack bei mir und Samu seinen Rucksack und die Sporttasche. Damit können wir schon

eine ziemliche Strecke bewältigen, wir vermeiden es aber trotzdem mit dem ganzen Zeug ewig rum zu laufen. Bei der Unterkunft angekommen lässt uns eine ältere Dame in unsere "Suite". Das Zimmer war schön, großes Bett für uns drei, weiße Bettwäsche und eine Küche hatten wir auch. Außerdem war der Wasserdruck im Gegensatz zu den meisten anderen Unterkünften sogar so stark, dass man sich jedes Mal beim Händewaschen in unpraktischer Höhe nass machte. Außerdem gab es auch hier das Ameisenproblem, wie in Cancun (obwohl wir alles im Kühlschrank verstauten und den Tisch immer abwischten). Trotzdem war es bis jetzt eine der besten Unterkünfte für uns. Die Lage war wieder ca. 1 km abseits vom Zentrum optimal, was den Vorteil von Supermärkten, Trinkwasserautomaten und billigen Streetfood mit sich brachte. So konnten wir viel im Supermarkt (der 7 Tage die Woche 7-22 Uhr offen hat) besorgen (außer sonntags nach 17 Uhr Bier. Dann ist der Verkauf verboten) und unseren 5l-Wasserkanister gleich gegenüber bei einen Trinkwasserautomat auffüllen (das Leitungswasser kann man nicht trinken).


Das Bier hat Samu getrunken

Normalerweise ist auch Ruhe ein Vorteil, wenn man etwas abseits ist. Auf den Touristenmeilen gibt es viele Diskos wo die Leuten bis in der frühe Morgen feiern können. Unser Viertel war zwar ruhig doch gab es aber auch hier Partygänger, die sich bei der Heimkehr um 3 Uhr morgens in Diskolautstärke unterhielten - Touris halt.


Die erste Überraschung

...erlebten wir beim Bestellen einer Quesadilla gleich nach der Ankunft. Der Preis war zwar der gleiche, wie in Cancun (20 Pesos, ca. 1€) aber die Quesadilla nur noch halb so groß.

Quesadillas mit Salsa Und Jamaica (das ist ein sehr beliebtes Getränk mit Hibiskusblüten)

Gerade Playa del Carmen hat sich in den letzten Jahren extrem stark touristisch entwickelt, was die Preise stark nach oben getrieben hat. Selbst beim Einkauf im Supermarkt waren die Preise ähnlich oder sogar teurer als in Deutschland und das obwohl der Lohn hier so viel niedriger ist - nur knapp über 200€. Wenn ich ehrlich bin, dachte ich eigentlich, dass Mexiko viel billiger wäre als es tatsächlich ist aber man kann auch nicht die Touristenorte an der Riviera Maya und Yukatan als representativ für ganz Mexiko betrachten. Das ist auch in Europa so. Wo Massentourismus herscht, leidet die lokale Bevölkerung an den überhöhten Preise.



Maya-Portal vor dem Strand
Tanzaufführung jeden Abend

Adrian erkältet

In Cancun war ich leicht erkältet, vielleicht wegen dem kühlen Flug. Mir war bewusst, dass es möglich wäre, Adrian anzustecken, ich hoffte aber darauf, dass die Antikörper in der Muttermilch ihre Arbeit leisten. Trotzdem bekam er an einem Abend über 38 Grad Fieber und eine Schnupfnase - und ich damit Angst und Zweifel. War es schlecht herzukommen? Sind die Ärzte und Krankenhäuser genauso gut, wie in Deutschland? Was, wenn es ihm schlechter geht?

Er weinte so schlimm wie nie zuvor und wollte auch nicht mehr trinken. Weil er aber doch zu nuckeln schien, bot ich ihm den Schnuller an, obwohl er ihn bis jetzt nie wollte. Das war ganz schlecht, denn danach erbrach er auch noch seinen ganzen Mageninhalt. Wir fühlten uns machtlos und einfach nur schlecht ihn so leiden zu sehen.

Die ganze Nacht trug ich ihn immer wieder in den Schlaf und beobachtete ihn ganz genau. Außerdem kontaktierte ich meine Hebamme, die mir empfahl ihm ab 39 Grad Fieberzäpfchen zu geben und Salzlösung gegen die verstopfte Nase anzuwenden.

Glücklicherweise war das Fieber am Morgen schon fast wieder in den Normalbereich gesunken und er trank mit viel Appetit. Doch am nächsten Abend ging es wieder los - verstopfte Nase, Fieber und Weinen. Wir entschlossen uns ins Krankenhaus zu fahren, wenn es nicht besser würde. Zum Glück war das nicht nötig, denn mit der Salzlösung war die Nase nicht mehr so verstopft und die Fieberzäpfchen waren auch nicht nötig. Was für eine Erleichterung! Wie so oft, erlebt man im Kopf die schlimmsten Szenarien, die aber glücklicherweise auch dort bleiben und nicht ihren Weg in die Realität finden.


Rollenfindung als Reisende mit Kind und Rucksack

Da wir eigentlich viel abenteuerlicher unterwegs waren und so touristische Orte eher gemieden haben, fühlten wir uns auf der 5th Avenue in Playa del Carmen etwas fehl am Platz. Nur sehr teure lokale mit lauter Musik, Souvenirläden und Verkäufer, die einen alle zwei Meter mit "this is the place" "this way please" "i have something for your baby" oder anderen kurzen, auswendig gelernten Phrasen von ihrem Geschäft überzeugen wollen.

Hier war nichts mit einsamem Strand, Natur und Lagerfeuer. Wir begannen an unserem Plan zu zweifeln.

Uns war ja bewusst, dass wir nicht offroad mit Motorrädern unterwegs sein würden, oder lange Wanderungen durch den Dschungel machen werden, dennoch fragten wir uns: ist das das Richtige für uns?

Und wir kamen zum Entschluss: Ja. Dieser Art zu Reisen wollen wir auch eine Chance geben. Wir wollen dieses Land kennenlernen, so wie es ist. Dazu gehören Touristische Orte, Natur, Kultur, Städte, Cenoten, Slums. Und um das zu erreichen, wollen wir unterwegs sein um so viel wie möglich zu sehen und nicht nur an einem Ort leben, wie anfangs geplant. Jede Woche wo anders. Das fühlt sich wie reisen an. Das wollen wir. Nachdem wir diesen Entschluss getroffen haben, konnten wir die Spaziergänge in der 5th Avenue, wie die Sonnenuntergänge am Meer oder die Quesadillas am Straßenrand richtig genießen und wieder mit unvoreingenommener Haltung so viel wie möglich über das Land lernen.


Streeftood vs. Restaurants

Wie auch in Cancun gab es auch hier viel Streetfood - allerdings außerhalb der Touristenmeile. Es gibt mobile Verkaufsstände, die Mitarbeiter (meist ist es eine ganze Familie) mit Schürze rufen ihr Menü aus, die Leute kommen. Das Essen ist lecker und billig.

Quesadilla-Restaurant in unserem Viertel
Streetfood

Auf der Touristenmeile findet man nur Restaurants und Bars. Davor stehen die elegant angezogenen Mitarbeiter , wedeln mit den teuren Menükarten und sprechen alle Passanten an. Bestimmt ist das Essen dort auch lecker, keine Ahnung. Wir haben es nicht probiert - nicht unsere Preisklasse - nicht so authentisch - nicht so schlimm.


Apotheken

Ich finde die Apothekendichte in Deutschland ja schon extrem. Bei uns in Augsburg gibt es in unserem Viertel gefühlt alle 50 Meter eine. Dass es in Mexiko genauso ist - vor allem auf der Touristenmeile hätte ich nicht gedacht. Anscheinend decken sich die Touristen besonders mit Schmerzmitteln und Viagra ein - was für eine Kombination - denn diese wurden in allen Apotheken, teilweise mit riesen Lautsprechern, beworben.




Was wir diese Woche gelernt haben

  • Bei großen Supermärkten gibt es immer gutes Streetfood

  • Die kleinen Stände mit Streetfood sind entweder aufs Mittagsgeschäft oder auf Abendessen spezialisiert

  • Walmart ist gar nicht so außergewöhnlich, wie man denkt

  • Es gibt Automaten an denen man literweise Trinkwasser für wenig Geld auffüllen kann

  • Apotheken sind eher Läden als medizinische Ansprechpartner

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