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  • AutorenbildElternReiseZeit

13. Huatulco

Aktualisiert: 8. Apr. 2023


Hotelreservierung mal anders

Auf Motorradreisen haben wir nie vorher Hotels gebucht. Wenn, dann mal geschaut, was es in der Umgebung so gibt, oft auch in der App IOverlander. Ich konnte es auch diesmal nicht sein lassen und finde dort ein Hotel in Huatulco. Ganz ohne Reservierung dort anzutreten, war mir aber zu unsicher mit Kind, ich wollte aber die nervigen Gebühren von AirBnB und Booking vermeiden. Also kontaktiere ich das Hotel über WhatsApp (die Nummer ist auf google). Und tatsächlich kann ich diesmal so reservieren. Bei der Ankunft werden wir auch freundlich begrüßt, allerdings bekommen wir ein "Kabuff" würde ich sagen. Wir müssen das Hotel durch den Haupteingang verlassen und eine klapprige Tür um die Ecke öffnet sich quitschend. Ein abgewohntes, kleines Zimmer mit dicken Stangen vor dem Fenster. Ein leichtes Gefängnis-Feeling kommt dabei auf, wir beschweren uns aber nicht, denn wir sind auch ganz andere Sachen gewohnt. Glücklicherweise ist es aber nur für die ersten zwei Nächte, danach dürfen wir in ein reguläres, schönes Zimmer mit Balkon umziehen.





Planlose Anfahrt

Natürlich habe ich mich grob schlau gemacht, wie wir von Mazunte nach Huatulco, einem riesigen Naturschutzgebiet östlich von Mazunte kommen. Aber Bustickets oder Uhrzeiten gab's diesmal nicht. Erst an den Straßenrand in Mazunte stellen und auf einen Pickup-Chickenbus warten. Die scheinen schneller und zuverlässiger als die Straßenbahn in Augsburg zu funktionieren, denn nach weniger als fünf Minuten steigen wir schon auf die Ladefläche. Damit fahren wir die 22km mit teilweise fast 100km/h nach Pochutla, wo wir eigentlich den ADO-Bus nehmen wollten. Adrian gefällt die windige Fahrt. Zufällig laufen wir aber an einem Colectivo-Terminal vorbei und sitzen nach zehn Minuten schon im Minibus nach Huatulco für weniger als die Hälfte vom ADO-Preis.





Huatulco

Ist eigentlich ein Naturschutzgebiet mit sehr schönen Buchten, die man nur per Bootstouren erreichen kann. Aber auch der Ort an dessen Rand, Santa Cruz und Crececita de Huatulco werden so genannt. Santa Cruz ist der Teil direkt am Strand mit Hotels, Restaurants und hohen Preisen. Crucecita ist weiter im Landesinneren und über eine schöne Fußgängerpassage zu erreichen. Dort ist der Marktplatz und einige, weniger teure Restaurants befinden sich da. Es ist ein kleiner, beschaulicher Ort mit vielen Rentnern aus den USA als Touristen. Manchmal hält sogar ein Kreuzfahrtschiff - ebenfalls mit vielen Rentnern. Das C

lientel ist also ein ganz anderes als in Mazunte oder Puerto Escondido, was zu deutlich höheren Preisen führt.

Die Region hier ist aufgrund ihres Klimas optimal für den Kaffeeanbau geeignet, weshalb es auch viele Coffee-Tasting Touren in der Umgebung gibt. Bei uns hat es sich leider nicht ergeben aber ich würde eigentlich sehr gerne eine Kaffee-Farm sehen.

Aber Huatulco ist auch ziemlich isoliert. Man kann am Wochenende nicht mal eben einen Tagesausflug nach Oaxaca oder Puerto Escondido machen. Aufgrund der ewigen Fahrstunden macht es keinen Sinn. So verbringen die Bewohner die meiste Zeit ihres Lebens in diesem Ort oder in den Bergen in der Nähe, die man sogar vom Strand aus sehen kann. Der Hauptstrand ist sehr klein für einen so stark besuchten Ort, ein anderer Strand, hinter dem Hügel beim Industriegebiet ist etwas weniger stark besucht.





Nach Mexiko auswandern

Wir sind beide sehr offene Personen und haben nie gesagt, dass wir für immer in Deutschland bleiben würden oder eben nicht. Wir sehen, was sich ergibt und was am besten für uns passt. Wir hören aber sehr gerne Menschen zu, die den Schritt der Auswanderung gegangen sind.

Das war bei der Rezeptionistin der Fall. Sie ist vor vierzehn Jahren aus der Schweiz nach Mexiko ausgewandert und wird oft mit Unverständnis konfrontiert. Warum bitte die Schweiz verlassen um in Mexiko zu arbeiten und zu leben?!

Sie erzählt, dass sie sich in der Schweiz oft eingeengt fühlte und den Eindruck hatte, dass man sein Leben zu sehr nach den Bedürfnissen der anderen ausrichtet, wohingegen hier oft das Gegenteil der Fall ist. Sie brachte ein gutes Beispiel: Wenn ich meinen Geburtstag in der Schweiz feiern möchte, muss ich mich an Ruhezeiten halten und es ggf. mit meinen Nachbarn abklären. In Mexiko müssen die Nachbarn eben damit zurecht kommen. Entweder sie feiern mit oder akzeptieren den Lärm. Für sie ist eine Rückkehr in ihre Heimat ausgeschlossen.





"Überall schlafen Leute. Auf dem Gehweg, im Park und in Autos!"

Was spielt sich im eigentlich so beschaulichen Huatulco auf einmal ab? Es werden Verkaufszelte aufgebaut, Straßen gesperrt, Autoscooter und andere Freizeitangebote angefahren. Einer der "What-a-beautiful-baby-Rentner", den wir treffen erzählt uns, dass die Leute überall schlafen, weil sie wegen so einem Fest nach Huatulco kommen.

Wir fragen die Schweizerin und sie erklärt uns, dass diesen Freitag die Fastenzeit vor Ostern für die Katholiken beginnt. Bis Ostern wird nun jeden Freitag an verschiedenen Orten der Region ein Fest veranstaltet. Manchmal ziehen singende Prozessionen durch die Stadt und immer mehr Stände werden aufgebaut.

Eine Bauruine (davon gab es relativ viele in Huatulco) in unserer Nähe wird von vielen Menschen besetzt. Es sind die Arbeiter, die Verkäufer und Betreiber der vielen Stände und all deren Familienmitglieder mit den vielen Kinder. Es gibt dort keinen Strom und kein Wasser, die Verhältnisse in denen sie dort leben müssen sind für uns brutal. Vor allem, die vielen Kinder die dort im Dreck, Lärm, Rauch, ohne Higyene und ohne Privatssphäre ausharren müssen. Das tut uns besonders Leid. Mittags steigen dort Rauchschwaden von den Feuern auf, auf denen die Familien ihr Essen zubereiten. Der Kontrast zu den reichen Kreuzfahrttouristen ist enorm. Aber die kommen ja nicht in dieses Viertel und sehen diese Familien nicht. Nachts werden sogar Zelte auf dem Gehweg aufgebaut, Menschen schlafen wirklich überall, mittags oft unter den Verkaufstischen, Busse spucken immer mehr inländische Touristen aus.





Das Fest - Essen - Preise

Ich gehe am Vormittag spazieren. Nichts. Ich gehe mittags spazieren. Nichts. So viel Trubel in der Stadt und nichts zum Essen. Ich gehe am Nachmittag spazieren. Ein paar wenige Verkaufszelte haben auf, einige Kioske verkaufen schon Essen. Abends nach dem Sonnenuntergang fangen die Straßen ganz langsam an, sich zu füllen, die mobilen Restaurants bereiten sich vor. Nachdem wir in Huatulco sehr einfach und nur einmal im Restaurant gegessen haben (es ist wegen der Kreuzfahrttouristen wie gesagt überteuert), freuen wir uns auf das einfache, günstige Essen. In einem Stand, der günstige Tacos anbietet, bestellt Samu Tacos und ich eine Quesadilla. Und wir werden voll abgezockt. Für das Essen, das eigentlich maximal 150-200 Pesos (7,50€-11€) kostet, wird uns über 300 Pesos (16€) verlangt. Ich bin echt genervt, dass ich meine eigene Regel (immer nachzufragen, was etwas kostet) gebrochen habe. Lernen ist eben ein Prozess, der auf Erfahrungen basiert.




Unsere nächate Etappe führt uns über einen Zwiachenstopp in Salina Cruz nohmal nach Oaxaca, von wo aus wir das Flugzeug nach Cancun nehmen werden.


Was wir diese Woche gelernt haben

  • nur in Touristenrestaurants wird geraucht und Alkohol getrunken.

  • Die LKW sind genauso laut und alt, wie in Russland. Vielleicht ist nur die Rauchwolke etwas kürzer

  • Teilweise betteln arbeitsfähige Menschen in unserem Alter. Sie sprechen z.B. ein Gebet oder so und erhoffen sich dann Geld von den Anwesenden im Restaurant, Bus, oder sonst wo. Bei Mexikanern bestehen sie länger auf Spenden, wahrscheinlich weil Touristen das Gesagte nicht verstehen.

  • An Orten mit Kreuzfahrthafen sind die Preise teilweise extrem hoch

  • Und zum 110. Mal: Immer fragen, wie viel etwas kostet =)









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