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  • AutorenbildElternReiseZeit

7. Ciudad del Carmen: Perle am Golf von Mexiko

Aktualisiert: 15. Feb. 2023

So nennt sich die Stadt gerne. Erst seit den 90er Jahren ist die Inselstadt durch zwei Brücken mit dem Festland verbunden. Bis jetzt ist das der am wenigsten touristische Ort für uns. Im Bus saßen nur Einheimische und wir. Laut google hat die Stadt keine echten Sehenswürdigkeiten und nur einen Strand: Playa Norte, der eigentlich 5km von Stadtzentrum entfern ist. In der Nähe von diesem haben wir ein einfaches Hotel gebucht.

Warum sind wir hier gefahren?

Wir wollen langsam nach Westen fahren Richtung Oaxaca.


Keine Löcher auf dem Gehweg

Diesmal keine offene oder kaputte Gulideckel auf den Gehwegen, wie in Campeche und trotzdem gefährlich nachts oder betrunken spazieren zu gehen. Denn teilweise hängen lose Stromkabel auf Hals- oder Kopfhöhe runter.



Für Mexikaner, die im Schnitt deutlich kleiner sind, scheint das also kein Problem zu sein, deswegen haben sie auch keine Angst davor, mal einen (oder zwei oder zu viel) zu trinken. Hier gibt es sogar, anders als bei Wasserflaschen, ein Pfandsystem für große 1,2L Bierflaschen.

Außerdem gibt es in Ciudad del Carmen deutlich mehr Straßenhunde, die sich durch viele Häufchen auf den Gehwegen bemerkbar machen. Oft laufen sie einem hinterher wenn sie etwas essbares riechen. Da sie manchmal in Gruppen umherlaufen, haben wir manchmal die Straßenseite gewechselt um ihnen aus dem Weg zu gehen. Bis jetzt haben wir in Mexiko relativ wenige Straßenhunde gesehen.


Essen

Schon am ersten Tag haben wir eine Taqueria in der Nähe entdeckt, die 100% Sirloin (Rindfleisch) Tacos anboten. Für Samu war die Woche also gerettet. Ich entdeckte den Lokalen Markt mit viel frischem Obst und eine Bäckerei in der Nähe - dachte ich. Das war eigentlich ein Brotlieferant für Läden und Restaurants - das Brot roch aber fantastisch und wenn man Glück hatte, war die Tür offen und man konnte, wenn nicht alles vorbestellt war, auch was kaufen.

Ansonsten gab es fast jeden Tag einfach Tortills mit Frijol (Bohnenpaste), Käse und Zwiebel aus dem Supermarkt.


Motivationsschub

Wie gesagt, haben wir uns in Campeche dazu entschlossen, Websites zu erstellen. Hier in Carmen wollten wir die ersten zwei angekündigte Regentage seit wir in Mexiko sind dazu nutzen, fleißig zu schreiben. Wäre die Internetverbindung im Zimmer besser gewesen, wären wir deutlich weiter gekommen. Teilweise haben wir draußen auf dem Hotelgang gearbeitet, auch in der Lobby war die Verbindung schwach. Warum löst bloß der Dauerregen in Deuschland nicht solche Motivationsattacken aus?!



Alltag

So bestand unser Alltag also meist aus einem kurzen Vormittahsspaziergang am Meer, mittags und nachmittags arbeiten und abends wieder an der Uferpromenade spazieren (wenn das Wetter ok.war).


Lage, Lage, Lage

Sagt man, sei bei Immobilen immer das Wichtigste. Wir achten inzwischen bei den Hotels auch deutlich mehr darauf seit unserer Erfahrung in Campeche. Wir haben uns wieder für ein Hotel abseits vom Zentrum, nicht an einer Hauptstraße und in der Nähe vom Meer entschieden - gegenüber von einem riesigen PEMEX Standort.


Dadurch waren wir ziemlich in einem Wohnviertel, in der Nähe vom lokalen Markt, der deutlich schöner als der von Campeche ist. In nur 5 Minuten waren wir außerdem schon am Meer.

Aber nicht alles was glänzt ist gold, wie man so sagt. Manche Straßen gleich in unserem Viertel waren etwas weniger gepflegt, könnte man sagen - oder so aussehen. Denn selbst die nicht asphaltierten Straßen wurden regelmäßig gekehrt.



Freiheitsstrand

Gleich am ersten Abend gehen wir zum Strand. Bis jetzt hatten wir oft erlebt, wie der Zugang zum Strand beschränkt oder erschwert war. Und hier konnte jeder mit seinem Auto direkt auf den Strand fahren und die Sonnenschirme kostenlos nutzen. Das hat uns überascht. Was für ein Kontrast! Vielleicht lag das daran, dass man in der Ferne Bohrplattformen zu sehen waren. Auf jeden Fall hat uns der Sonnenuntergang fasziniert, das Licht war magisch, die Schatten lang. Irgenwelche winzig kleine Fliegen haben uns beim spazieren auf dem Strand attackiert. Im Hotelzimmer angekommen stellen wir erschreckt fest das wir auf den Beinen und Armen unzählige rote Stichpunkte haben, auch Adrian hatte einige im Gesicht und auf den Armen abgekriegt. Zum Glück juckten sie nicht und am nächsten Morgen war alles weg.



An einem Nachmittag, als wir am Strand spazieren gehen kommt Rettungsaktion #2 am Meer (nach Campeche): Ein Auto mit Einheimischen hat sich zu weit auf den Strand getraut und sich festgefahren. Samu hilft dem Fahrer beim schieben (naja, eigentlich schiebt nur Samu. Der Fahrer gibt Gas und die zwei Frauen schauen zu). Erst als noch zwei Männer helfen kommen, schaffen sie es.



Außerdem gibt es eine richtig schöne, lange Uferpromenade (Malekon), an der wir (und viele mexikanische Familien) oft spazieren waren. Entlang der Uferpromenade reiht sich ein Restaurant mit schöner Terrasse und Bar neben dem nächsten. Einfache Hütten bieten Essen oder Getränke an und manchmal gibt es Live-Musik. Sportliche Leute joggen zwischen den vielen Spaziergängern und den Restaurantangestellten, die mit der Menükarte wedeln und jeden ansprechen. Auch ein Fahhradweg ist markiert. Auch hier genießen wir die Sonnenuntergänge am Meer. Kann man davon eigentlich mal zu viel bekommen? Ich glaube nicht.

Nicht nur die Uferpromenade ist zum spazieren schön sondern auch der Strand selber. Es ist sehr breit, nicht überlaufen und der Sand ist ziemlich grob teilweise aus zerkleinerte Muscheln und sehr fest. Wir spazieren kilometerweit hin und her. Viele Muscheln, riesige Schneckenhäuser und andere uns unbekannte Meersetiere lagen am Strand verteilt aber auch tote Fische waren zu sehen. Kein Wunder bei der Verschmutzung durch die vielen Bohrplatformen und die vielen Unfälle in Verbindung mit Bohrplattformen am Golf von Mexiko. Trotzdem freuen wir uns über die vielen Vogelarten, die wir am Strand beobachten können und natürlich über die vielen Pelikane die, wie auch in Campeche, zahlreich versuchen mit einer spektakulären Jagtmethode Fische zu fangen. Sie fangen Fische in größeren Tiefen, indem sie sich im Sturzflug aus Höhen von 10 bis 20 Metern senkrecht ins Wasser bohren. Das haben wir oft versucht auf Bildern einzufangen.


Wir gingen diesmal nicht ins Wasser. Einige Mexikaner trauen sich aber ansonsten war der Strand einsam. Es war die ersten Tage wegen dem Sturm etwas kalt und windig, die Wellen waren riesig und das Wasser trüb, nicht wirklich einladend. Auch sonst am Golf von Mexiko gibt es keine bekannte Strände mit karibisch-türkisem Wasser. Entweder Gras oder trübes Wasser wegen hohen Wellen. Es gibt zwar viele Orte, an denen man baden kann aber es ist nicht zu vergleichen mit den Stränden am Karibischen Meer, geschweige denn mit denen von Cozumel. Aber das ist gar nicht schlimm und wir werden es bestimmt an einen anderen schönen Ort in Mexiko noch viel baden.


Traditionen

Weihnachten, was gerade gefeiert wird als wir in Carmen sind, hat viel mit Traditionen zu tun. Bei einem Abendspaziergang kommen wir in einem Gespräch auf dieses Thema. Wir haben beide ein eher zwiespältiges Verhältnis zu Traditionen. Auf der einen Seite finden wir es dumm etwas so zu machen, nur "weil es immer schon so gemacht wurde", auf der anderen Seite ist es schön, wenn man als Familie bestimmte Traditionen hat und beibehält, die allen Freude bereiten. Auch global gesehen ist es ein doppelschneidiges Schwert. Wir finden gerade ursprüngliche Völker und Kulturen faszinierend, wie z.B. die Nomaden in der Mongolei oder Naturvölker in Afrika. Natürlich ist es traurig, wenn deren Traditionen verloren gehen, Traditionen sind Teil ihrer Identität, aber kann man es ihnen verwehren, dass sie sich ein einfacheres und moderneres Leben wünschen und gestalten? Traditionelle Kleidung und Schuhe wird durch westliche Markenklamotten und chinesischen Fälschungen ersetzt. Die aus Naturmaterialien geflochtenen Stühle durch die praktischen Plastikstühle, Feste und Traditionen in kitschige, wirtschaftliche Touristenatraktionen verwandelt. Dennoch haben wir nicht das Recht zu urteilen, ob das gut oder schlecht ist. Jeder hat das Recht, sein Leben so zu gestalten, dass es für ihn einfach und gut ist.


Ausflug ins Zentrum

Mit dem Bus wollen wir auch das Zentrum der Stadt ansehen und erledigen dabei zwei nötige Sachen: Samu muss zum Frisör und ich muss mir neue Schuhe kaufen, weil die Sandalen aus Deutschland den Geist aufgegeben haben. Diese werden durch extrem praktische und gemütliche Gummi-Flip-Flops ersetzt.



Mit dem Friseur kommt ein interessantes Gespräch zustande. Er spricht super Englisch, weil er für einige Jahre in den USA gelebt und gearbeitet hat. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir seine Antwort auf die Frage, warum er zurückgekommen sei, weil er so von der Zeit in den Staaten geschwärmt hat. Seine Ex-Freundin hatte ihn nochmal um den Finger gewickelt mit der Masche "jetzt wird alles anders sein", was es natürlich nicht war. Dennoch war der Friseur sehr glücklich, weil er sich den Traum eines Friseursalons erfüllt hat und dort jefen Tag sein bestes gibt.


Aber natürlich haben wir auch die Stadt angesehen. Diese war mal wieder im Kolonialstil gebaut, was mit den bunten Häusern immer sehr schön aussieht. Auch den typischen Park im Zentrum gibt es, wo Pozol, Souvenirs und Kleidung angeboten werden. Während ich meinen Pozol aus der Tüte trinke, beobachten wir die vielen Eichhörnchen. Das Highlight war aber, dass wir Delphine von der Uferpromenade aus sehen konnten! Echt beeindruckend!

Nächste Woche ziehen wir weiter westwärts nach Villahermosa, eine sehr schöne Stadt im Landesinneren.


Was wir diese Woche gelernt haben:

  • Man muss beim spazieren gehen unten auf Löcher und Hundehaufen und oben auf lose Stromkabel achten

  • Es kann in Mexiko auch in der Trockenzeit mal 2 Tage am Stück stürmen und regnen

  • Die Straßenkanalisation ist nicht für viel Regen ausgelegt

  • Es gibt ein Pfandsystem für die großen Bierflaschen

  • Eine Bäckerei hat in der Früh nicht auf und bietet prinzipiell keinen Kaffee an

  • Die Alkoholverkaufszeiten sind vom Bundesstaat abhängig


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