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  • AutorenbildElternReiseZeit

9. In the Jungle: Palenque

Aktualisiert: 15. Feb. 2023

Die Anfahrt von Villahermosa funktioniert problemlos mit einem ADO-Minibus und dauert ca. 1,5 Stunden. Die Vegetation nimmt immer mehr zu. Ehrlich gesagt, habe ich etwas Angst vor dem Dschungel, besser gesagt vor den Tieren und Insekten dort. Werden die mich auffressen (vor allem die Mücken)?




Ist das der Zoo oder unsere Unterkunft?

Nachdem die Umgebung im Dschungel schon wie ein botanischer Garten aussieht, besteht auch zum Zoo akute Verwechslungsgefahr. Kaum sind wir bei unserer Unterkunft angekommen, können wir im Garten und der Umgebung Ara-Papagaien, Agutis, Eichhörnchen (auf Palmen!), Affen (Mantelbrüllaffen - und ja, die sind laut!), andere Vögel und sogar Pfauen beobachten. Es ist wahnsinnig interessant diese Tiere in ihrer natürlichen Heimat zu besuchen. Wir haben ein AirBnB-Zimmer Nebengebäude des Hauses einer Familie, was an sich nicht schlimm ist aber wir nutzen die Küche und Terasse so weniger, weil wir diese nicht stören möchten bzw. wir diese eigentlich lieber allein nutzen möchten.



Grün, grün, grün...

...hat seinen Preis. Denn so viel Vegetation braucht auch Wasser, damit es bei dieser Hitze nicht so aussieht, wie teilweise in Usbekistan oder Kasachstan. Zwei Tage regnet es und die Temperaturen fallen nachts sogar so tief, dass wir frieren. Wenn man wochenlang keine Nacht mehr unter 25 Grad hatte und tagsüber 30 Grad kein Problem mehr sind, empfindet man 16 Grad schon mal als sehr kalt. In einer Nacht sind es sogar nur 8 Grad, was uns wirklich frieren lässt, denn Decken gibt es keine im Zimmer.


Palenque, die Ortschaft

Da unsere Unterkunft sehr außerhalb, mitten im Dschungel lag, mussten wir für jeden Spaziergang in den Ort ca. 30 Minuten gehen um dorthin zu gelangen. Wir genossen es aber sehr, weil es einen schön angelegten, schattigen Geh- und Radweg gab. Die Stadt ist nicht spektakulär, aber man fühlt sich wohl dort. Es gibt deutlich mehr Touristen (auch mexikanische), als in Villahermosa oder Ciudad del Carmen. Mehrmals sind wir dorthin spaziert, durch die Straßen geschlendert und haben in typisch mexikanischen Läden gegessen.



Die Ruinen

Palenque wird eigentlich nur wegen seiner Ruinen besucht, die schon sehr früh, also Ende des 18. Jahrhunderts (wieder)entdeckt wurden. Natürlich wollen auch wir diese sehen und sind gespannt, da viele Stimmen diese im Dschungel gelegenen Ruinen viel eindrucksvoller als das allseits bekannte Chichen Itza finden.

Um dorthin zu gelangen halten wir einfach den nächsten Colectivo auf der Hauptstraße an und werden auch schon bei der Ticket-Verkaufsstelle rausgelassen. Hier zahlt man mit unter 10€ also weniger als ein Drittel im Vergleich zu Chichen Itza. Wir sind außerdem zu dem Zeitpunkt neben einem Mann mit seiner Tochter die einzigen Touristen. Ach ja, und einige Guides, die Ihre Dienste anbieten. Als wir mit den Tickets auf dem Weg zum Eingang sind, fällt uns auf, dass Murphys Law selbst vor dem Dschungel keinen Halt macht: wir haben tatsächlich keine Kamera und keine Handys mitgenommen! Also wird dieser Besuch 100% analog genossen und wir kommen nochmal mit Handys als deutlich mehr los ist.



Es ist uns ein Rätsel, wie es sein kann, dass die Nachfahren der Maya, die in den umliegenden Dörfern leben, nichts mehr von der Existenz der vielen Tempel wussten und diese erst Jahrhunderte nach dem umstrittenen Maya-Kollaps wiederfinden. Wann ist die Tradition verloren gegangen? Wann ist der letzte Mensch, der von dieser Ort wusste gestorben? Wann wurde der Ort verlassen und vergessen?

Die Ruinen, die selbst jetzt noch vom Dschungel einverleibt zu werden scheinen, sehen magisch aus. Auf dem Gelände gibt es zum Glück viel Wiese und schattige Bäume, sodass man nicht auf schmalen Touristenpfaden hintereinander her watscheln muss. Man darf sich frei bewegen und einige Anlagen sogar besteigen. Nur die Hitze und die extrem steilen Stufen halten uns davon ab, alle zu besteigen.

Am Ausgang gibt es, wie überall an touristischen Orten, Verkaufsstände mit Souvenirs, Essen und frischem Obst. Dort warten auch die Colectivos auf ihre Passagiere zurück zur Stadt.


Roberto Barrios Wasserfälle

Natürliche Pools mit türkisfarbenem Wasser, das in Wasserfällen herabfließt klingt gut? Finden wir auch! Zufällig sehe ich auf meiner Karte die Colectivo-Haltestelle zu den Roberto-Barrios Wasserfällen und belese mich dazu auf Google. Am nächsten Tag warten wir auch schon im Minibus darauf, dass der Fahrer die Einkäufe der mitfahrenden Dorfbewohnern auf dem Dach festzurrt damit wir endlich losfahren können. Die Straße führt durch kurvige, hügelige Landschaft, was für uns natürlich schön aussieht, aber den schwer beladenen LKW mit schlechten Bremsen und den Fahrern mit vielleicht etwas zu viel Mut manchmal zum Verhängnis wird. Auch wir fahren an einem zerbeulten Überrest eines solchen vorbei. Die Straße wird immer schmaler, bis sie die Sackgasse - das Dorf Roberto Barrios erreichen. Die 30km Fahrt kosten pro Person übrigens 2,50€ und der Eintritt zu den Wasserfällen gerade einmal 2,50€ für zwei Personen. Vom Ticketstand geht man eine nicht asphaltierte Dorfstraße, gesäumt von einigen Läden, entlang und erreicht den Fluss Rio Bascan, der dieses Naturwunder mit Wasser befüllt.



Wir sind überwältigt: man wandert den Weg bergab, passiert fünf große Wasserfälle und die ganzen natürlichen Becken und man darf überall Baden. Das lassen wir uns natürlich nicht entgehen und nehmen das bis jetzt kälteste Bad in Mexiko - mitten im Dschungel. Für mich ist das definitiv ein Highlight auf dieser Reise!



Das kennt glaube ich jeder: nach dem Schwimmen hat man Bärenhunger (oder sagt man im Dschungel Affenhunger?). Gleich am Ausgang gibt es eine unscheinbare Terasse im Hof eines Hauses. Die Kinder nutzen gerade die Wasserfälle um sich zu waschen und wir stehen zögernd davor, weil außer einem riesigen Hund niemand dort zu sein scheint. Aber der Hunger siegt, wir gehen rein und werden mit einer reichhaltigen, günstigen Mahlzeit belohnt und Adrian von der einjährigen Natascha (fast gleich groß) von oben bis unten abgetatscht und bewundert. Er lässt jetzt schon die Mädchenherzen schmelzen! Die Mutter musste Natascha von ihm regelrecht wegzerren, weil sie ihn bei unserem Abschied nicht loslassen wollte. Es war ein wunderschöner Tagesausflug!


Agua Azul - die touristischeren Wasserfälle

Warum waren wir nicht dort, könnten einige fragen. Zum einen, weil wir weniger touristische Orte bevorzugen, zum andern sind diese deutlich weiter entfernt von Palenque. Auf dem Rückweg von den Roberto Barrios Wasserfällen standen wir wegen eines LKW-Unfalls im Stau, der Colectivo-Bus überhitzte, Adrian war gar nicht begeistert. Auf eine noch längere Fahrt hatten wir einfach keine Lust.


Erledigungen

Normalerweise waschen wir die Wäsche in Waschsalons, wenn es aber Waschmaschinen in der Unterkunft gibt, nutzen wir diese.



Seit Samus letztem Haarschnitt sind wieder fast vier Wochen vergangen. Also stand auch ein Friseurbesuch wieder an. Im ersten Laden ist der Friseur allerdings grad essen, dafür bekommt Adrian von dessen faszinierten Tochter eine Ganzkörper-Streicheleinheit. Weil wir auf der Friseurstraße unterwegs sind, klappt es schon 20 Meter weiter mit dem Haarschnitt - auch ohne zu sprechen. Samu zeigt ihm nichtmal 2 Sekunden sein "so-soll-es-aussehen-Foto" und der Mann macht sich an die Arbeit während ein Praktikant seinengekonnten Handgriffe aufmerksam verfolgt.


Die beste Pizza

Die beste (vegetarische) Pizza, die ich je gegessen habe, gab es direkt gegenüber von unseren Unterkunft im tiefen Dschungel. Fast jeden Abend gab es Pizza und auch Adrian fängt an, daran Gefallen zu finden, unser Essen anzufassen und abzulutschen (sein Favorit ist bis jetzt Zucchini).



Warum nicht direkt nach Tuxtla?

Eigentlich gibt es ja eine Straße, die direkt südwestlich, also in unsere Zielrichtung Oaxaca führt. Allerdings sind wir hier in Chiapas, einem "schwierigen" Bundesstaat, wo man sich über die Reiseroute informieren muss. Das mache ich und finde heraus, dass die besagte Straße ziemlich gefährlich sein soll. An mehreren Stellen wird die Straße mit einem Seil blockiert, es werden illegale Zölle erhoben oder man wird zum Kauf im Dorf gedrängt. Die ADO-Busse, mit denen wir immer fahren, nehmen lieber den riesigen Umweg über Villahermosa in Kauf, als diese Strecke zu nutzen. Also werden wir einen Tag nochmal einen Zwischenstopp in Villahermosa einlegen und dann nach Tuxtla fahren.


Was wir diese Woche gelernt haben

  • Der Dschungel ist doch nicht so furchteinflößend

  • Im Landesinneren können die Temperaturen stark schwanken

  • Adrian liebt Mango

  • Mexikanische Straßenhunde sehen viel gefährlicher aus, als sie sind

  • Adrian zieht Mädchen magisch an

  • Es gibt in vielen Orten eine "Friseur-Straße"

  • Man freut sich wahnsinnig wilde Brüllaffen zu sehen. Wenn man Sie um 5 Uhr morgens im Garten hört, hält sich die Freude in Grenzen

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